Mein Weg zum Veganismus

Seit ich denken kann, sind Tiere in meinem Leben und auch ein notwendiger Bestandteil meines Wohlbefindens. Ich brauche einfach immer Tiere um mich herum, denn Tiere waren für mich schon immer mehr wie nur eine Beschäftigung. Ich liebte und liebe es immer noch ihren Charakter und auch ihre Ticks kennenzulernen. Insbesondere bei Katzen (mit denen ich aufgewachsen bin) mag ich ihre Unabhängigkeit vom Menschen und ich empfinde es als eins der größten Geschenke von einem Tier sein Vertrauen zu erhalten. Und obwohl ich mich als Tierfreund bezeichnete und z.B. auch Katzen von Hand aufzog, so hatte es dennoch bei mir noch nicht *klick* gemacht, so dass ich, wie die Mehrheit der Menschen, unterschied zwischen Haustier und Nutztier. Denn wie die meisten Menschen liebte ich meine Haustiere von ganzem Herzen, aß jedoch andere Tiere täglich ohne einen Gedanken darüber zu verschwenden.

Dies änderte sich Anfang 2011. Januar 2011 adoptierten mein Freund und ich 2 Zwergkaninchen. Anders als bei meinen anderen Haustieren (u.a. Hamster und Farbmäuse) wollte ich mich jedoch nicht mehr auf die Aussagen der Verkäufer in den Tierhandlungen oder der Autoren ("Experten") von Büchern verlassen, sondern von Anfang an alles richtig machen. Also informierte ich mich online und stieß auf die Seite sweetrabbits. Dort erfuhr ich alles über möglichst artgerechte Haltung von Zwergkaninchen. So kam es, dass unser Wohnzimmer radikal umgestellt wurde um ein großes Gehege für unsere beiden zu erschaffen. Sie sollten ständigen Auslauf haben und kein Käfigleben führen. Obwohl meine beiden überhaupt keine Kuschelkaninchen sind, macht es mir so viel Freude sie zu beobachten. Und mit ihnen kam langsam das Umdenken.

Nachdem ich schon mehrere Wochen in Buchhandlungen um das Buch Anständig essen von Karen Duve herumscharwenzelt war, kaufte ich es mir endlich und fing an es zu lesen. In diesem Buch berichtet Duve von ihren eigenen Erfahrungen als sie unterschiedliche Ernährungsweisen jeweils während mehreren Monaten ausprobierte. Zuerst Fleisch aus Biohaltung, danach Vegetarismus, Veganismus und zum Schluss sogar Frutarismus. Dadurch dass das Buch aus der Ich-Perspektive geschrieben ist, liest es sich meiner Meinung nach sehr angenehm und klingt nicht nach einem typischen "Fakten-Buch", obwohl immer mal wieder Fakten eingebaut werden. Dazu zählen Fakten die eigentlich jeder kennt, aber auch schockierende Dinge die mich manchmal dazu zwingen das Buch zu Seite zu legen, obwohl ich mich eigentlich nicht für empfindlich hielt. Und so wurde mein Fleischkonsum bereits während des Lesens weniger, hauptsächlich unbewusst. Nach dem Lesen stand fest, ich werde Vegetarier. Diese Entscheidung fiel mir leicht, vielleicht vor allem da Vegetarismus ja doch sehr akzeptiert in unserer Gesellschaft ist und doch jeder irgendwo schon mal mit Vegetariern zu tun hatte. Während dem Lesen des Buches hatte ich manche Sachen natürlich auch an meinen Freund weitererzählt (v.a. die Dinge die mich besonders schockiert hatten). Dies brachte ihn dazu das Buch ebenfalls zu lesen und er traf die gleiche Entscheidung wie ich, er wurde Vegetarier.

Nun fühlte ich mich besser. Für mich wurden schließlich keine Tiere mehr getötet. Dachte ich zumindest.

Mittlerweile hatte ich von diesem anderen Buch gehört, Tiere essen von Jonathan Safran Foer. Es galt als schockierend und teilweise als Skandal. Auch dieses Buch schaute ich mir ein paarmal in der Buchhandlung an ehe ich mich entschied es zu kaufen. Beim Kauf dachte ich mir "Du bist ja Vegetarier, du machst doch alles richtig, also kannst du ohne schlechtes Gewissen dieses Buch lesen".

Ich irrte mich.

Während ich die Lektüre von Anständig essen manchmal nur unterbrechen musste um mich auf andere Gedanken zu bringen, so wurde mir von der Lektüre von Tiere essen regelmäßig übel und brachte mich zum weinen. Foer hat an vielen Orten für sein Buch recherchiert, in Schlachthäusern, bei konventionellen und Bio-Bauern, in Tierfabriken, bei Vegetariern die Tiere züchten, bei Tierschützern die nachts in Tierfabriken einbrechen, usw., und all diese Erfahrungen beschreibt er in diesem Buch, zusätzlich geschmückt mit ganz vielen Fakten bezüglich der Tierhaltungen und -schlachtungen die einem wirklich den Appetit verderben (Bsp. "Fäkalsuppe") und einen teilweise fast sogar den Glauben in die Menschheit verlieren lässt. Bereits während der Lektüre des Buches wurde mir klar, dass der Veganismus die einzige Lösung für mich sein könnte, denn ich fand heraus, dass auch für die vegetarische Ernährung Tiere sterben und leiden (z.B. Milchkühe, die einmal jährlich geschwängert werden und denen ihr Kalb dann nach 9 Monaten Schwangerschaft innerhalb der ersten 24 Stunden weggenommen wird, oder die unzähligen männlichen Küken die geschreddert oder vergast werden da sie ja keine Eier legen können). Während ich als Vegetarier bereits auf Dinge wie Gelatine verzichtet hatte, so verging mir jetzt auch endgültig der Appetit auf Käse und Eier. Ich erinnere mich noch sehr genau an meine letzte Käse Mahlzeit, Baguette mit Tomaten mit Mozzarella überbacken. Ich ekelte mich bereits davor und hatte ein schrecklich schlechtes Gewissen, jedoch konnte ich ihn auch nicht wegschmeißen. Nun ja, am Tag darauf wurde unsere Küche veganisiert. Alles an unveganen Dingen wurde in einer Kiste gesammelt. Da ich es jedoch nicht wegschmeißen wollte (davon hat ja auch kein Tier mehr was), gab ich alles an meine Schwester weiter.
Wie bereits bei Anständig essen lies mein Freund ebenfalls dieses Buch und entschloss sich zu meiner Freude zu dem gleichen Schritt wie ich, er wurde ebenfalls zum Veganer (und nein, ich habe ihn nicht dazu gezwungen, auch wenn mir das von Kollegen oft vorgeworfen wird ^^).

Mittlerweile sind wir seit genau einem Jahr vegan und haben diesen Schritt nie bereut, auch wenn es nicht immer einfach war (und z.B. beim auswärts essen noch immer nicht ist). Wir haben andere luxemburger Veganer kennengelernt, wir haben gelernt "was wir noch alles essen können" ;) und können jetzt zu Recht zu unseren Wackelnasen und anderen Tieren sagen:

Nun kann ich euch in Frieden betrachten, denn ich esse euch nicht mehr. (Franz Kafka)

In diesem Sinne wünsche ich euch eine friedliche Nacht.

die Dani

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